Pro Argumente Mitzlaffbau

Es ist eine Kunst zu ERHALTEN und zu BEWAHREN! Der Vergleich zwischen der Gebäudesituation Technisches Rathaus und Collini-Center zeigt wer diese Kunst beherrscht. Unsere Wegwerf-Gesellschaft macht auch vor KUNST nicht halt. Die Mannheimer Kunsthalle ist 30 Jahre alt, wurde aus Steuermitteln errichtet und soll 2014 abgerissen werden. Die Kunstwerke, die mit dem Gebäude fest verbunden sind, gehen zum Teil unweigerlich verloren. Für teures Geld eingekauft, wird nun die einst hochgelobte KUNST zerstört oder eingemottet.

Es ist keine Kunst abzureißen und wegzuwerfen. Es ist eine Kunst zu ERHALTEN und zu BEWAHREN.

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Tageslichtkonzept:

Mitzlaff, Lange und Böhm waren als Architekten an der Konzeption beteiligt.

Die Zweckbestimmung des Gebäudes laut Bauantrag ist die Verwendung als Skulpturenmuseum. Wenn man diese ursprüngliche Verwendung zugrunde legt, so kann der Bau wesentlich günstiger saniert werden, als die Vorgaben der Stadt für die Machbarkeitsstudie dies in Auftrag gegeben haben.

Das Tageslicht spielt für Skulpturen eine wichtige Rolle. Nachzulesen ist dies in der Beschreibung des Architekten Mitzlaff in seinem Buch zur Eröffnung des Gebäudes 1983. Wir werden dies hier in Auszügen veröffentlichen.

Das für Museen hervorragend geeignete Licht wird durch verschiedene Kombination von Sheddachformen am Mitzlaffbau ermöglicht. Die Sheddächer des Mitzlaff-Bau sind unterschätzt. So hat der Erweiterungsneubau des Lenbachhauses in München ein Sheddach erhalten (indirektes Nordlicht ist ideal für die Pleinair-Malerei).

SheddachP1070559

 

Der Skulpturengarten:

Der Mannheimer Skulpturengarten beheimatet viele Kunstwerke. Kunst im öffentlichen Raum dient der Identifizierung und der Erbauung. Dieser Freiraum im Gegensatz zum verdichteten Innenstadtkern soll für kommende Generationen erhalten bleiben und weiterhin für Installationen verwendet werden dürfen. Eine Einhausung von Grünflächen im Innenstadtkern ist unsinnig, wenn man gleichzeitig  Verwendungsmöglichkeiten für die großzügen Grünanlagen der Konversionsflächen sucht.

 

Dem Umfeld angepasste Bauweise:

Beim Erweiterungsbau der Kunsthalle von 1983 wurde darauf geachtet, dass aus den Blickachsen Wasserturm, Friedrichsplatz und Ring die Kuppel des historischen Billingbaus von 1907 noch zu sehen ist. Das erweckt das Interesse des Betrachters auf den einst als Ausstellungshalle für die Gartenbauausstellung 1907 errichteten Jugendstilbau. In Bauweise und Materialwahl wurde die passenden Kombination und Konformität zur Umfeldbebauung berücksichtigt. Dies spiegelt sich im Sandstein und der Kupferpatina wieder. Der Mitzlaffbau ist vom Bautyp zugleich ein typischer Vertreter seiner Zeit, der 80er Jahre.

Dr. Melanie Mertens emfiehlt den frühzeitigen Kontakt zu den Denkmalschutzbehörden. War dies bei den Vorbereitungen des Architektenwettbewerbs und der Erstellung der Auslobung bereits vollzogen und berücksichtigt?

"Wichtig bei allen Vorhaben ist der frühzeitige Kontakt mit den Denkmalbehörden. Schon vor dem Erwerb können Umbauplanungen bei einem Ortstermin abgestimmt werden. Ansprechpartner vor Ort sind zunächst die Unteren Denkmalschutzbehörden, ein direkter Kontakt mit der Fachbehörde im Regierungspräsidium ist ebenso möglich. Interessant sind die Sonderregelungen für Kulturdenkmäler, so sind sie vom Energiepass befreit und erhalten Steuervergünstigungen."

"Zu den jüngsten Denkmälern der Region zählen die Multihalle in Mannheim, ein Hauptwerk der Organischen Architektur, eine an Naturformen orientierte Gegenbewegung zum Funktionalismus der 60er Jahre. Auf die Ausweisung von Bauten der 1980er-Jahre bereiten wir uns gerade vor. Im Gesetz ist keine Zeitgrenze vorgesehen, allerdings tut man sich mit dem Abstand von mindestens 30 Jahren leichter, die Qualität der Bauten einzuschätzen."

Quelle: Dr. Melanie Mertens, Schwetzinger Zeitung

 

Erinnerungen:

Ein Museum ist eine Institution, die unser kulturelles Gedächnis bewahrt. Entsorgt man ein Gebäude, entsorgt man auch Erinnerungen an zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen:

Von Courbet bis Picasso - Schätze des Museums São Paulo, 1988/89 (164.450 Besucher!)
Paul Klee, Konstruktion - Intuition, 1990/91 (62.000 Besucher)
Auguste Rodin, "Höllentor", 1991/92 (62 900 Besucher)
Edouard Manet, Augenblicke der Geschichte, 1992/93 (80.000 Besucher)
Neue Sachlichkeit - Figurative Malerei der 20er Jahre, 1994/95 (85.000 Besucher)
William Turner in Deutschland, 1995/96 (105.000 Besucher!)
Paul Klee - Zeit der Reife, 1996 (73.000 Besucher)
Henry Moore - Ursprung und Vollendung, 1996/97 (51.100 Besucher)
Jean Tinguely - "Stillstand gibt es nicht!", 2002/2003 (47.800 Besucher)

Die Planung und Errichtung des Erweiterungsbaues der Kunsthalle, dessen erste Realisierung durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges verhindert worden war, fällt in die Amtszeit von Heinz Fuchs. Der Neubau von 1983 mit seiner symmetrischen Anordnung fügt sich harmonisch in die Jugendstilanlage am Mannheimer Friedrichsplatz mit der historischen Kunsthalle (Billingbau) ein und bietet mit Oberlicht- , Seitenlichtsälen und Galerien, die sich um einen zentralen Raum für Wechselausstellungen gruppieren, die Möglichkeit, die Sammlung der Kunsthalle angemessen zu präsentieren.

 

Dr. Heinz Fuchs, damaliger Direktor der Kunsthalle Mannheim sagte im Taschenbuchperiodikum „museum”“: „Städtische Kunsthalle Mannheim”, Verlag Westermann druck GmbH, Braunschweig 1983, in seinem Aufsatz: „Eine Sammlung für alle – Zur Geschichte der Städtischen Kunsthalle Mannheim”:
„Nach mehreren ebenfalls nicht ausgeführten Bauprojekten in der Zwischenzeit wurde schließlich 1980 der Grundstein gelegt für den über einem halben Jahrhundert gewiss nicht weniger notwendig gewordenen Bau. Natürlich reichten nun die aus der „Reiß-Stiftung“ verfügbaren Mittel nicht mehr aus. Die Pläne zu dem Erweiterungsbau, der sich rücksichtsvoll dem alten Gebäude angliedert und sich mit seinen Proportionen, seiner Durchgestaltung der Fassade und Wahl der Materialien harmonisch in die städtischen Gegebenheiten des Jugendstilplatzes einfügt, wurden von dem Architekten Hans Mitzlaff entwickelt. Im Innern werden die maßvollen, geschickt mit Tageslicht versorgten Räume für die Sammlung und die Wechselausstellungen erschlossen von einem zentralen Plateau her, einer Art überdecktem Forum, mit Umgängen in zwei Ebenen, die über das eindrucksvolle Treppenhaus der Kunsthalle erreicht werden.”

Annika Wind sagt im MM-Artikel vom 15.03.2013 „Aufräumen vor dem Abriss – Bogomir Ecker setzt den Mitzlaff-Trakt der Kunsthalle noch einmal als Skulpturenmuseum in Szene”:
„1983 hatte das Büro Lange/Böhm/Mitzlaff den Erweiterungsbau als Skulpturenmuseum den bürgern übergeben. Die wollten aber auch Malerei sehen. So waren mit Stellwänden fast alle Wände verschlossen worden, um die Bilder vor zu viel Licht zu schützen. Nun ist die Sonne zurückgekehrt, denn Ecker hat Einbauten entfernt, Wände durchbrochen oder neue eingebaut. So zeigt er alle Stärken dieses Gebäudes – und Schwächen....Zugleich wird aber auch klar, welches Leid man der Architektur antat: Die oberen Räume sind nun wieder licht, die Ausblicke auf den Friedrichsplatz eine Freude...In 20 Räumen werden Volumen, Bewegung, Architektur, Materialität, Figuration und Abstraktion thematisiert und der Sammlungsschwerpunkt gezeigt...Mit Ausstellungsdesigner Nicolas Rauch hat Ecker die oberen Räume mit Stellwänden verengt oder geöffnet. Das passt gut zu Skulpturen, die imaginäre Räume schaffen...”.

Dr. Inge Herold, seinerzeit Direktorin der Kunsthalle Mannheim sagt in der Broschüre „30 Jahre Förderkreis für die Kunsthalle Mannheim – Neuerwerbungen 2003 – 2007”:
„...Dem Einsatz des damaligen Direktors Heinz Fuchs und des neu gegründeten Förderkreises mit Dr. Hans Freiensehner (1977-1981) und Dr. Henner Puppel (1982-1987) als Vorsitzenden ist es zu verdanken, dass der Neubau schließlich 1983 eingeweiht werden konnte. Besonders dank des mitreißenden Engagements der Vorsitzenden Hans Bichelmeier (1987-2002) und Dr. Hanns Dieter Hasselbach (seit 2002) wuchs seit den 80er Jahren die Mitgliederzahl des Förderkreises beträchtlich. In Teamarbeit haben der Vorstand mit den Direktoren Prof. Dr. Manfred Fath, gefolgt 2002 von Dr. Rolf Lauter, die Aktivitäten des Förderkreises mit den Belangen der Kunsthalle in Einklang gebracht. Erklärtes Ziel war es von Anfang an auch den Sammlungsbestand zu erweitern. Das Spektrum der mittlerweile annähernd 70 Werke ist breit, ist es doch auch zum Teil geprägt von den Vorlieben der Stifter. Der Akzent der Ankäufe liegt jedoch merklich auf dem Bereich Skulptur, dem Sammlungsschwerpunkt der Kunsthalle...Dr. H. D. Hasselbach ...verdanken wir...den Kontakt zur H.W. & J. Hector Stiftung”. Sie hat nicht nur den Umbau der ehemaligen Bunkerräume in Ausstellungs- und Depotfläche ermöglicht, auch der alle drei Jahre ausgelobte H.W. & J. Hector Kunstpreis sowie die Realisierung der Lichtinstallation von James Turrell an der Neubaufassade der Kunsthalle gehen auf die Stiftung zurück....”

Dr. Hanns Dieter Hasselbach in der o.g. Broschüre (2007):
„...Vor 30 Jahren gegründet um als treibende Kraft den längst fälligen Anbau der Kunsthalle voranzubringen, wandte sich der Förderkreis nach Einweihung des Erweiterungsbaus im Jahr 1983 dem Ausbau der Kunstsammlung...Alle Mitglieder des Förderkreises, Freunde und Gönner können freudig und stolz auf eine stetig wachsende Sammlung blicken, die so manchen weiteren großen Geburtstag unsere Kunsthalle erleben wird...”