Pro Argumente Bunker

Seit der Auslagerung der Kunstschätze besteht das Hemmnis den Bunker aus Sicherheitsgründen nicht besichtigen zu dürfen nicht mehr. Es besteht nach wie vor ein berechtigtes Interesse die Beurteilung des Tiefbunkers durch die Stadt zu hinterfragen. Warum macht man den maroden Bunker für die Bürgerinitiative nicht zugänglich? Ist der Bunker so marode und wenn ja, warum konnte dann dort bis zuletzt Kunst eingelagert werden, für deren Aufbewahrung klimatechnische Höchststandards erforderlich sein sollen? Oder ist der Mitzlaffbau so marode? Ist bereits die Bezeichnung durch Frau Lorenz "marodes Gebäude" irreführend? Besteht etwa Einsturzgefahr? Warum haben dann bis zuletzt im Juni 2014 dort öffentliche Veranstaltungen stattfinden können? Warum steht das  Gebäudegutachten nicht öffentlich zur Verfügung? Der Wunsch der Bürgerinitiative den Bunker zu besichtigen wurde zuletzt von Frau Lambrecht am 30.06.2014 bei ihrem Besuch beim OB Dr. Peter Kurz in Anwesenheit von Frau Lorenz vorgetragen. Eine Reaktion seitens der Verantwortlichen erfolgte nicht.

Gut, dass TV-Magazine jetzt beginnen gegen Städte und Bürgermeister wegen der Einsichtnahme in Dokumente Klage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG), erheben. Es wird wirklich Zeit, dass dieses Gesetz, das 2006 in Kraft getreten ist, in den Köpfen der Politiker ankommt.

Gedanken zum Tiefbunker von Wolfgang Fabian:

Als einer der wichtigsten Gründe, den Mitzlaff-Bau abzureißen, wird immer wieder der feuchte Tiefbunker angeführt.

In einem Gespräch mit Herrn Buck, dem technischen Leiter der Kunsthalle, erhielt ich folgende Erklärung:

Für das Fundament des Mitzlaff-Baues wurde die Bunkerdecke an mehreren Stellen durchbrochen, um dann von der Bunkersohle aufwärts Säulen zu betonieren, die den Mitzlaff-Bau tragen.

Durch das Durchbrechen der Bunkerdecke entstanden feine Risse, die bei den Bauarbeiten für den Mitzlaff-Bau nicht restlos geschlossen wurden. Zwischen der Bunkerdecke und der Sohle des Mitzlaff-Baues liegt eine Erdschicht. Diese saugt sich bei lang anhaltendem Regen voll Wasser, das dann langsam durch die Risse in der Bunkerdecke einsickert.

Mehrere Fachleute haben gegenüber der Bürgerinitiative Kunsthalle versichert, dass es durchaus Möglichkeiten gäbe, einen derart undichten Bau abzudichten.

Leider wurde der BI von Frau Dr. Lorenz verwehrt, zusammen mit einem Experten für Gebäude-abdichtungen den Bunker zu besichtigen. Die Begründung war fadenscheinig: Es sei aus Sicherheitsgründen nicht zulässig, Fremde in Museumsdepots einzulassen. Ein Gutachten über den Zustand des Bunkers bzw. über eine Möglichkeit, ihn zu sanieren, gibt es nach meiner Information nicht.

Ein solches Gutachten rechtzeitig einzuholen wäre m.E. wichtig gewesen, bevor man beschlossen hätte, den Bunker abzureißen.

Interessant ist, was aus dem Katalog zur Kunsthallenerweiterung „Neuer Raum für neue Kunst“ 1999 (ISBN 3-89165-121-x) hervorgeht:

Prof. Fath hatte lange über Platzmangel geklagt hat und dann 1997 in Herrn und Frau Hector großzügige Spender gefunden, die es ermöglichten, den Tiefbunker zu über 1.000 m² zusätzlicher, klimatisierter und einbruchsicherer Ausstellungs- und Depotfläche umzubauen.

Die Aufgabe der Gesamtplanung und Bauüberwachung fiel dem Ingenieur Hartmut Jeske aus Neustadt zu. Der hat einen reich bebilderten Aufsatz über den „Umbau des Luftschutzbunkers unter der Kunsthalle Mannheim“ geschrieben.(Katalog Seiten 19 – 25)

Auf Seite 25 schreibt Herr Jeske:

„Im Zuge der Baudurchführung stellte sich heraus, dass der Bunker an wenigen Stellen undicht war. Dies war weniger ein technisches als ein terminliches und finanzielles Problem, da diese Undichtigkeiten erst nach dem Entkernen des Bunkers erkennbar wurden und somit keine finanziellen Mittel für Abdichtungsarbeiten im Außenbereich vorgesehen waren. Für diese benötigten Mittel musste erst durch günstige Vergaben bei anderen Gewerken und durch Einsparungen bei der Ausführung insgesamt ein Budget aufgebaut werden. Da die Budgetsicherheit für diese Arbeiten erst gegen Ende der Ausbauarbeiten gegeben war, konnte auch erst spät mit der Sanierung der Feuchtigkeitsstellen begonnen werden, mit allen Konsequenzen für die termingerechte Einrichtung der Ausstellung und die Nerven aller Beteiligten.”

Aus diesem Zitat geht eindeutig hervor, dass Herrn Jeske klar gewesen ist, dass seine Bauaufgabe damals nicht erfüllt worden ist und dass der Bunker dadurch dauerhaft nicht als Depot und Ausstellungsräume zu gebrauchen sein würde.

Da er gezwungen war, die geschätzten Kosten von 4,5 Mio. DM und den Fertigstellungstermin zum 5. Dezember 1999 (90 jähriges Jubiläum der Kunsthalle) einzuhalten, konnte er wohl nicht anders handeln.

Danach hätte aber unbedingt eine Nachbesserung erfolgen müssen.

Dass diese offenbar nicht stattfand, ist vielleicht einem Umstand zu verdanken, der mir am 17. Oktober 2013 zu Ohren kam: Frau Hasselbach sagte mir, Herr Jeske sei ihr Bruder. Und als ich ihr entgegnete, da sähe die Sache doch sehr nach Filz aus, ging sie wutschnaubend davon.

Hat die Stadt damals aus Rücksicht auf die Hasselbachschen Verwandtschaftsverhältnisse womöglich auf Regressansprüche verzichtet?

Und hätte man, falls mein Verdacht unbegründet ist, nicht wenigstens die Kenntnisse und Erfahrungen von Herrn Jeske nutzen können, um die Schäden im Nachhinein doch noch zu beseitigen?

Da haben wohl einige Leute in Mannheim versagt!

 

Dr. h.c. Hans-Werner Hector sagte im Grußwort zum Kunstpreis (für dreidimensionale Gestaltungen) H.W. & J. Hector der Kunsthalle Mannheim 2003:
„...Die Kunstförderung (Anm.: der H.W. & J. Hector-Stiftung) kam bis jetzt im Wesentlichen der Kunsthalle Mannheim zu Gute durch Unterstützung von baulichen Erweiterungen. So wurde zum 90-jährigen Bestehen der Kunsthalle ein Kriegsbunker, der sich unter der Kunsthalle befand, umgebaut und durch einen Aufzug und eine Treppe zugänglich gemacht. Damit erhielt die Kunsthalle ca. 1000 m² neue Ausstellungsräume mit einem besonderen Flair und dringend benötigte zusätzliche Depoträume....Als Kunstpreis für dreidimensionale Gestaltungen hat der „H.W. J. Hector Kunstpreis” gegenüber seinen Vorgängern eine Erweiterung der Ausschreibung in die Bereiche Objektkunst, Rauminstallation und Videoinstallation erfahren...”

Rolf Lauter, sagte im Vorwort & Dank zur o. g. Kunstpreis-Ausstellung 2003:
„...Der besondere räumliche Zuschnitt des Bunkers und seine niedrige Raumhöhe wirken sich bei der Präsentation von Licht-, Klang- und Videoinstallationen im Rahmen der Gruppenausstellung dabei sehr positiv auf die Wahrnehmungssituation des Betrachters aus...”

Manfred Fath schrieb in seinem Aufsatz „Neue Räume für die Kunsthalle“ in Katalog „Neuer Raum für Neue Kunst” 1999:
„...Durch diese Baumaßnahme gewinnt die Kunsthalle ca. 1.000 qm neue Ausstellungsfläche hinzu, die die Möglichkeit eröffnet, die Sammlung im gesamten Neubau neu zu ordnen und bisher nicht gezeigte Sammlungsbestände der Kunsthalle auszustellen. Es handelt sich dabei vor allem um Werke zeitgenössischer Kunst. Erfreulicherweise kann nun auch die Keramikausstellung der Kunsthalle, ergänzt durch eine großherzige Schenkung von Dr. Gisela Freudenberg, erstmals angemessen und dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Damit wird ein Bereich der Sammlungsgeschichte der Kunsthalle in die Dauerausstellung einbezogen, der bisher aus Platzgründen deponiert und selbst in Fachkreisen wenig bekannt war...Als besonders glücklicher Umstand erweist es sich darüber hinaus, dass die Kunsthalle durch diese Baumaßnahme künftig endlich ausreichende und konservatorischen Standards entsprechende Depot- und Lagerräume für die nicht ausgestellten Kunstwerke erhält. Damit wird ein Mangel beseitigt, der es bisher verhinderte, Kunstwerke unter besten konservatorischen Bedingungen zu bewahren. Die planerischen Überlegungen zur architektonischen Gestaltung der neuen Ausstellungsbereiche folgten der Maxime, dass möglichst klare Räume geschaffen werden sollten, um die Wirkung der ausgestellten Kunstwerke nicht durch Einbauten zu beeinträchtigen. Deshalb wurde der Bunker, der noch völlig intakt war, zunächst entkernt, d. h. alle noch vorhandenen Einbauten wurden beseitigt. Dadurch entstanden großzügige, kunstlichtbeleuchtete Ausstellungsräume, die sich zur Präsentation zeitgenössischer Kunst hervorragend eignen...
Dieses Problem (Anm.: möglichst gute konservatorische Voraussetzungen zu schaffen) wurde durch eine neue Methode der Raumtemperierung gelöst, die aufwendige Einbauten in die Räume erübrigt. Das Beleuchtungsproblem wurde durch die Verwendung polarisierenden Lichtes gelöst, mit dem in den Ausstellungsräumen die Wirkung von Tageslicht erzeugt werden konnte, wodurch die ausgestellten Kunstwerke in bestmöglicher Beleuchtung präsentiert werden können. Mit dieser technischen Ausstattung hat die Kunsthalle neue Wege beschritten und für die Präsentation von Kunstwerken hervorragende Voraussetzungen geschaffen...
Museen sind die Institutionen, die unser kulturelles Gedächtnis bewahren. Sie sind Archive, die die kulturellen Leistungen einer Gesellschaft für künftige Generationen sammeln, bewahren, erforschen und vermitteln...Sie haben heute mehr denn je eine wichtige Funktion, denn sie leisten einen bedeutenden Beitrag zur Identifikation mit einer kulturellen Tradition und damit zur Prägung der Gesellschaft. Hier liegt auch die große Chance des Museum für die Zukunft. Der 90. Geburtstag der Kunsthalle bietet einen besonderen Anlass zum Feiern. Durch den Umbau eines Luftschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg sind die räumlichen Probleme des Museums für längere Zeit gelöst...”